Wenn man Samstagabend in Neukölln unterwegs ist, spürt man ihn. Den Vibe, der die Großstadt vorrantreibt. Nirgendwo zeigt er sich so offensichtlich wie in diesen heißen Sommernächten, wo die Hitze überall in den Straßen hängt und es eigentlich zu warm ist, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Wenn man langsam durch die Straßen geht, vielleicht ein lauwarm gewordenes Bier vom Späti nebenan in der Hand, hört man Berlin; aus manchen Häusern schallt laute Musik durch die offenen Fenster, man hört das Klopfen von Schuhen auf der Straße, hört lautes Lachen und laute Stimmen. Man riecht Berlin: Der Duft von Zigarettenrauch liegt in der Luft und mischt sich mit dem Geruch von Urin, Alkohol und Abgasen, der in der Wärme aus allen Ritzen kriecht. Und man sieht Berlin: Die bunten Reklametafeln der Spätis leuchten durch die Nacht, aus manchen Wohnungen leuchtet das warme Licht, wie es nur aus einem Zuhause leuchten kann und die Straßenlaternen lassen alles in einem wohligen Dämmerlicht erscheinen. Vor den Bars sammeln sich riesige Menschentrauben. Man sieht lachende Gesichter, es scheint ein Glanz über diesen Zusammenkünften zu liegen, den man nicht genau erklären kann, aber von dem man automatisch denkt, dass Berlin für ihn verantwortlich ist. Wenn man in die ruhigeren Straßen abbiegt, kommt man vielleicht sogar an der ein oder anderen urigen Eckkneipe vorbei; alteingesessene Berliner rufen schnöde der Barfrau, die seit 20 Jahren mit ihrem Mann den Laden schmeißt, nach dem nächsten Bier hinterher. Der Laden ist vielleicht ein bisschen seltsam dekoriert – es stehen Palmen neben der Eingangstür, bunte Lichterketten hängen über dem Tresen. Ein kleiner Versuch, sich aus der Betonwüste Berlin in ein Paradies zu träumen. Und wenn man noch weiterläuft, kommt man wahrscheinlich an der Sonnenallee an, oder an der Karl-Marx-Straße. Hier tönt Verkehrslärm über allem, dicke schwarze Autos mit lauter Musik fahren vorbei, die Döner- und Falafelbuden haben Hochbetrieb, hinter bunten Leuchttafeln, auf denen das angebotene Essen abgebildet ist, hört man die lauten Rufe der Köche, die sich gegenseitig die bestellten Gerichte mitteilen. Man ist in einer anderen Welt angekommen. Sieht man die arbeitenden Menschen in den Imbissen und türkischen und arabischen Cafes, kann man nicht glauben, dass nur wenige Straßen hippe Wahlberliner in perfektem oder auch nicht so perfektem Englisch über StreetArt diskutieren. Doch diese zwei Welten, die so gar nicht zueinander zu passen scheinen, fügen sich erstaunlich zusammen. Kulturkreise fangen an sich zu überschneiden, indem die Menschen, die in Neukölln auf engstem Raum leben, aufeinander zugehen. Und das macht Berlin, aber insbesondere Neukölln, zu einem wunderbaren Ort.

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