Berlin ist eine Stadt für Faule. Für Menschen, die sich treiben lassen wollen und es sich ersparen wollen, aus eigenem Antrieb etwas zu produzieren. Natürlich gilt das nicht für alle – Auch hier gibt es kleine Sternchen am Himmel, die mit ihrer Initiative die Stadt erleuchten. Aber der Großteil ist einfach nur faul.

Warum ist das so? Alle wollen nach Berlin. Weil hier etwas geht. Die Stadt pulsiert und reisst einen mit, mit ihrer geballten urbanen Energie. Sie reisst einen so sehr mit, dass man Teil von etwas sein kann, ohne etwas dafür zu tun. Wenn man im Ausland erzählt, dass man aus Berlin kommt, wird man als hip und urban angesehen – selbst wenn man den ganzen Tag netflixt und Döner in sich reinstopft. Wenn man den Look der Leute auf der Straße kopiert ist man anderorts automatisch cool und exotisch – auch wenn der einzige Aufwand war den nächstgelegenen weekday store leerzukaufen. Kurzum – man erreicht hier mit dem geringstmöglichen Aufwand das maximale soziale Ansehen.

Wenn man dagegen erzählt, dass man sich in der deutschen Peripherie angesiedelt hat, ist es gar nicht so leicht, seinem Gegenüber verständlich zu machen, dass man mit der Zeit geht. Und es ist auch gar nicht so leicht, selbst mit der Zeit zu gehen. Schließlich muss man wesentlich mehr Eigeninitiative an den Tag legen, egal ob es darum geht coole Klamotten zu kaufen oder darum, seine Wohnung stylish einzurichten. Und eigentlich ist man dann der wirkliche Exot – wird aber von den wenigsten so wahrgenommen.

Foto: © holzsteg

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